Die christliche Kirche als Marke
Ein Essay von Christopher Spall
Der Mitgliederschwund in deutschen Kirchen geht ungebremst weiter. Viele Menschen haben sich bereits von den Religionsgemeinschaften hierzulande verabschiedet. Und viele suchen gerade deshalb nach anderen Möglichkeiten, ihre Spiritualität auszuleben. Ein revolutionäres Beispiel aus Großbritannien lässt aufhorchen. Dort ist es gelungen, im Laufe der letzten sieben Jahre, eine digitale kirchliche Marke aufzubauen.
Mein Erfahrungsbericht zum Sonntags-Gottesdienst der Christ Church Spitalfields in London enthält sieben Elektroschocks, die nicht nur unsere Kirchen wiederbeleben können. Es sind Eckpfeiler, auf denen man im 21. Jahrhundert eine starke Marke aufbaut, mit echter Bindungskraft und Attraktivität.
Wäre die Kirchen eine Marke,
so würde sie als Auslaufmodell
oder Outbrand geführt werden.
8 Elektroschocks zur Wiederbelebung der christlichen Kirche
oder wie man eine Glaubensgemeinschaft zur Marke macht
Nicht nur der Pädophilie-Skandal hat die Attraktivität der katholischen und evangelischen Kirchen geschwächt. Vor allem deren Leistungen sind nicht mehr zeitgemäß. Die Kirchen verharren starr in ihren Ritualen und Gepflogenheiten.
Für die meisten Menschen sind die Kirchen und Gottesdienste hierzulande nicht mehr relevant. Viele haben den Glaubensgemeinschaften schon vollständig den Rücken gekehrt. Einige streamen online die wenigen mutigen Ansätze für Gottesdienste auf der Höhe der Zeit. Die Kirche überaltert, im Amt wie im Publikum. Wäre die Kirche eine Tierspezies, würde man sie als vom Aussterben bedroht klassifizieren.
2,3 Mrd. Gründe, den Niedergang der größten Glaubensgemeinschaft der Welt zu stoppen
Dabei sind die Voraussetzungen sensationell: 40 Mio. Deutsche gehören einer Kirche an. Das ist immerhin noch jeder Zweite. Weltweit ist das Christentum die Glaubensgemeinschaft Nummer Eins: Global gesehen glauben mehr als 2,3 Mrd. Menschen an Jesus Christus, auch wenn nicht eindeutig belegt ist, dass das „Produkt“ der katholischen Kirche überhaupt, wie überliefert, existiert. Obwohl die Leistung der „Marke Christentum“ auf so wackligen Beinen steht, identifizieren sich unfassbar viele Menschen damit und mit der Geschichte von Jesus Christus.
Seine Geburt und sein Tod bestimmen immer noch unseren Jahreskalender. Die Nutzung der Marke ist allerdings erbärmlich. Ihre Identifikationskraft und Reichweite bleiben unausgeschöpft. Nie waren die Aussichten für die Marke Christentum so miserabel wie derzeit.
Liebe Kirchen in Deutschland, hier kommt ein durchdachter und zu Ende gedachter Ansatz aus der protestantischen Church of England. Der nicht nur junge Leute in Scharen in die Kirche zurückholt. Sondern gleichzeitig auch Familien und ältere Menschen anspricht:
Die Christ Church Spitalfields, London.
So geht Marke für eine Glaubensgemeinschaft.
Vielleicht ist Jesus
die stärkste Personenmarke aller Zeiten.
Meine Quintessenz:
Ja, es gibt vereinzelt gute Ansätze in einzelnen evangelischen und katholischen Gemeinden – und auch in anderen Glaubensgemeinschaften dieser Welt, wie z. B. Gospel- oder freie Kirchen.
Das Konzept dieser Gemeinde aus dem Londoner Osten, so perfektioniert und an das digitale Zeitalter angepasst, hat Leuchtturmcharakter. Sicher braucht es viel Mut und Veränderungswillen. Und vermutlich ist beides in der Church of England stärker ausgeprägt als in den christlichen Kirchen hier in Deutschland. Doch wenn der Mitgliederabfluss gestoppt und der Turnaround endlich geschafft werden sollen, braucht es ein radikales Umsteuern. Der Eisberg wurde bereits gerammt. Wer abwartet, geht unter.
Das Zukunftsmodell der christlichen Kirchen braucht diese 8 Eckpfeiler:
Echte Willkommenskultur, zielgruppenspezifische Leistungen, Profis, konsequente Digitalisierung, weniger Hierarchie, Offenheit, eine klar definierte Identität und Gotteshäuser, die wieder zu echten Begegnungsstätten werden. Eine große und großartige Aufgabe.
Oder kennen Sie noch eine andere Marke, die 2,3 Mrd. Follower hat?
Mehr Infos zur Christ Church Spitalfields unter www.ccspits.org
Daten zur Größe der Glaubensgemeinschaften Stand 2021:
https://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_Deutschland
Bildquelle: Foto von Lukas Meier auf Unsplash
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Das Wissen, wofür eine Kirchengemeinde konkret steht, ist meist nur Eingeweihten vorbehalten. Oder hängt einzig am Pfarrer. Oder verbleibt gänzlich im Nebel. Die Londoner hingegen machen es den Menschen leicht, sich mit der Gemeinde zu identifizieren. Dazu helfen klare und smarte Ziele, die auf der Website veröffentlicht werden. So erfährt man beispielsweise, dass die themen- und zielgruppenspezifischen Gruppen auf 36 (!) ausgeweitet werden sollen. Daneben stehen greifbare Werte. Als Interessent erhalte ich schon beim ersten Website-Besuch ein klares Bild davon, was mich erwartet und wofür die Kirche steht. Zusätzlich sind alle, die sich in der Gemeinde engagieren, online mit einladenden Porträtbildern sichtbar.
